Tee und Fäden, die verbinden
Vor einem halben Jahr haben wir hier von unserem neuen Projekt „Tee und Fäden“ berichtet und davon, was für einen positiven Effekt es haben kann, in der Gruppe zu stricken und zu häkeln. Man konzentriert sich auf die Maschen und lässt seine Sorgen für eine Weile hinter sich. Inzwischen haben wir uns schon zum siebten Mal bei Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen in netter Runde in unserem Herzsaal zusammengefunden.
Es sind nicht immer dieselben Menschen, die sich hier treffen, aber der bunten Gruppe aus Gästen und Angehörigen, Mitarbeiter*innen, Ehrenamtlichen, Freund*innen und Nachbar*innen ist eines gemeinsam: Alle haben Freude am Handarbeiten. Dabei wird erzählt, werden Freude und auch Erinnerungen oder Herausforderungen geteilt.
Es ist inzwischen viel Schönes entstanden: neue Bekanntschaften, Sommerpullis, Socken, Sophie-Scarfs (kleine, schmal zulaufende Halstücher), Babydecken, Pulswärmer und Kinderkleidchen.
Für neue Ideen und Schaffensfreude scheint es keine Grenzen zu geben. Bei jedem Treffen werden Projekte begonnen, Strickmuster ausgetauscht, es wird beraten und unterstützt und natürlich werden die vollendeten Stücke präsentiert und bewundert.
Apropos: Auf unserem diesjährigen Adventsbasar können Sie einige der Arbeiten bewundern und käuflich erwerben. Wir haben Sophie-Scarfs in allen Farben, die nach modebewussten Trägerinnen suchen. Sie sind wie eine Umarmung aus weicher Wolle und wurden mit viel Liebe gestrickt.
Natürlich organisiert sich das Strickcafé nicht von alleine, und wir freuen uns immer, wenn jemand einen Kuchen für uns backt, den Tisch deckt oder eine scheinbar unverständliche Anleitung erklären kann.
Ute Mende ist von Anfang an dabei und hilft überall da, wo Hilfe gebraucht wird. In der Vorbereitung, dem Erklären von Strickmustern und dem Auffangen gefallener Maschen oder einfach beim Zuhören oder einer Umarmung. Warum sie dabei ist?
Ute erzählt: „Nach dem Tod meiner Tochter vor einem Jahr war das Hospiz der dunkelste Ort in meinem Leben. Schon der Gedanke, diesen Ort zu betreten, erzeugte Herzrasen, Traurigkeit, Ablehnung und Tränen.
Irgendwann kam der Gedanke, dass meine Gefühle eigentlich nichts mit dem Hospiz an sich zu tun haben, und ich konnte die Liebe, die Hilfe, die Menschlichkeit, die Fürsorge, die so vielen großen und kleinen Dinge, Taten, Zeichen, Blicke und Zuwendungen sehen und wertschätzen, mit denen das Team vor allem meine Tochter, aber auch meine Schwiegertochter Anne und mich begleitet hat.
Ich bin sehr, sehr dankbar für diese große Hilfe und Unterstützung während dieser Zeit und möchte gerne etwas zurückgeben. Und dann hörte ich von dem Strickcafé.
Kreativität war bei mir immer schon Ausgleich zum oft hektischen Alltag, ich mag Menschen, Begegnungen, Austausch, neue Ideen, Inspirationen – und das in Kombination: Das Strickcafé begeistert mich, hat mich von den traurigen Gedanken bezüglich des Ortes befreit und ist immer wieder ein entspannter, inspirierender und sehr, sehr intensiv schöner Termin für mich.“
Wer Lust am Handarbeiten in gemütlicher Klön-Runde hat, ist herzlich willkommen.
Wir treffen uns an jedem letzten Donnerstag im Monat von 15:30 bis 17:30 Uhr.
Wir freuen uns auf Sie!
Ein Lese-Tipp:
vergiss-mein-nie.de/blogs/magazin
Stricken für die Seele:
Trauer verarbeiten Masche für Masche
Eine Anmeldung unter veranstaltungen@hospiz-am-ik.de erleichtert uns die Planung.