23.05.2025

Teamtag: Unser neues Pflegemodell nach Miriam Püschel

Unsere Teamtage im Frühjahr hatten dieses Mal ein besonderes Thema: ein neues Pflegemodell, auf das wir unsere Hospizarbeit umstellen wollen. Miriam Püschel arbeitet selbst seit Jahren in verschiedenen Bereichen der Hospiz- und Palliativarbeit. Das von ihr erarbeitete und wissenschaftlich begleitete Konzept stellt den Sterbenden und seine Bedürfnisse in den Fokus allen Handelns der Palliativpflege. Bisher wurde in der Pflege versucht, verschiedene Pflegemodelle und -theorien in der Palliativpflege zu übernehmen. Diese konnten jedoch nur bedingt den Bedürfnissen unserer Gäste gerecht werden.

Wir und andere Hospize finden:
Es ist dringend an der Zeit, die palliative Pflege umzustellen und auszurichten an den Menschen, um die es geht: unsere Gäste.

Wir freuen uns, dass Miriam Püschel uns bei den Teamtagen persönlich von ihren Erfahrungen und ihrer Motivation, die Arbeit im Hospiz noch professioneller und auch individueller zu gestalten, berichtet hat. Ihre offene Art und das verständliche und praxisnahe Konzept begeisterten unsere Teammitglieder sofort. „Alle Kolleginnen waren schwer angetan“, erzählt Lena von Holdt, unsere stellvertretende Pflegedienstleitung. „Die Tage haben einen Riesenmotivationsschub gegeben!“

In der wunderschönen Umgebung des Elsa Brändström Haus in Hamburg-Blankenese hatten wir sehr schöne und inspirierende Teamtage.

Wozu braucht es überhaupt Pflegemodelle?

Pflegemodelle (oder -konzepte) sind theoretische Ansätze, die helfen, professionelle Pflege beschreiben und erklären zu können. Der Rahmen, der durch das Modell vorgegeben wird, bestimmt auch, wie die geleistete Pflege dokumentiert wird. Die meisten bisherigen Pflegemodelle sind nicht an den Bedürfnissen Sterbender orientiert, sondern für Krankenhäuser und Pflegeheime, wo es häufig um Genesung, Verbesserung oder Stabilisierung eines Krankheitszustandes geht. Daher sind sie für die Pallativpflege eigentlich nicht adaptierbar.

Was macht das neue Konzept nach Miriam Püschel aus?

Das Ziel ist ein besseres Verständnis der palliativen Pflege und ihrer Herausforderungen, denn so wird die Unterstützung für die hospizliche Pflegepraxis erst ermöglicht. Damit wir mit dem Konzept arbeiten können, braucht es einen theoretischen Leitfaden zur Orientierung. Diesen hat Miriam Püschel im Rahmen ihrer Bachelor- und Master-Arbeit unter Einbeziehung vieler Mitwirkender aus der Praxis sowie wissenschaftlich begleitet erarbeitet.

Der von Miriam Püschel vorgestellte Bezugs- oder Handlungsrahmen ist nicht dogmatisch formuliert, gibt also keine starren Strukturen vor, sondern eröffnet Räume, die es ermöglichen, dem Sterbenden in der konkreten Pflegehandlung situativ, individuell, flexibel und intuitiv zu begegnen.

Die wesentliche Frage: „Was braucht der Mensch?“

Maßgeblich für die palliative Pflegearbeit sind die Bedürfnisse des Menschen in seiner letzten Lebensphase. Miriam Püschel spricht sogar von einer „radikalen Orientierung am sterbenden Menschen“. Denn das sei „die Wurzel der palliativen Grundhaltung.“

Nun haben Menschen verschiedene Bedürfnisse. Und die Bedürfnisse bestehen in ganz unterschiedlichen Erlebensbereichen (siehe Abbildung) und können sogar von Tag zu Tag wechseln. Sie herauszufinden und zu -fühlen, ist unsere Aufgabe. Das bedeutet sehr viel Erfragen und Beobachten der Menschen. Das Erleben des Betroffenen ist dabei entscheidend. Im Blick behalten müssen wir dabei immer die Aspekte „Würde“, „Autonomie“, „Selbstbestimmtheit“ und „Ressourcen“.

Wenn wir es schaffen, die pflegerische Handlung stark an den Erlebensbereichen des Gastes zu orientieren, sind wir auf einem guten Weg, sein Wohlbefinden zu erhalten und gegebenenfalls zu fördern.

Neben dem Gast selbst sind es seine An- und Zugehörigen, also seine Familie und andere Bezugspersonen, die wir unbedingt mit ins Boot holen möchten. Palliativarbeit ist, da sind wir uns einig, auch viel Beziehungs- und Kommunikationsarbeit.

Was ist mit „Wohlbefinden“ gemeint?

Zu einem positiven Wohlbefinden gehört die Ausgewogenheit von Entspannung und Anspannung.
Entspannung gilt dabei als „Basisdimension“, als Überbegriff für das Wahrnehmen, in einem Gleichgewicht zu sein und Entlastung auf seelischer Ebene zu erfahren. Auch Ruhe, Resilienz und innere Balance führen zu einem Sicherheitserleben.
Wir versuchen also, unseren Gästen zu zeigen, dass sie hier aufgefangen und geborgen sind und so sein dürfen, wie sie es sich selbst in dem Moment wünschen. Sie sollen erfahren, dass sie sich vertrauensvoll in die Hände der sie Umsorgenden begeben können.

Was wir uns wünschen?

Wir wünschen uns, dass der zukunftsweisende Ansatz von Miriam Püschel Schule macht. Viele Hospize in Deutschland stellen ihr Pflegemodell bereits um. „Das Sterben ist ein sozialer Prozess“, so betont Miriam Püschel immer wieder. Damit geht er uns alle an. Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen unsere Arbeit noch stärker unterstützen.
Wir wünschen uns, in jeder Sekunde unseres Handelns für unsere Gäste alles tun zu können, was sie auf ihrer Reise stärkt.


Wir danken Miriam Püschel für ihr Engagement und sind optimistisch, ihr Pflegekonzept immer stärker in unsere Arbeit im Hospiz am Israelitischen Krankenhaus integrieren zu können!

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