08.09.2025

„Sterben ist wie Leben – nur anders“

Ein Plädoyer für mehr Zugewandtheit für das Thema Sterben in der Mitte unsere Gesellschaft, von Bettina Orlando – Teil 2

Ein Mensch liegt im Sterben. Und wir stehen oft hilflos daneben. Was sagen? Was tun? Wie begleiten?

Viele Menschen fühlen sich in solchen Situationen unsicher, ohnmächtig oder überfordert – nicht, weil es ihnen an Mitgefühl mangelt, sondern an Wissen und Erfahrung.

Es sind diese Ängste, die Teilnehmer*innen in unseren Kursen immer wieder äußern: Nicht zu wissen, wie man unterstützen kann, das Falsche zu tun, zu sagen oder gar keine Unterstützung für den schwerkranken Menschen zu sein, weil man sich einfach hilflos fühlt oder selbst so emotional wird, dass man vom Unterstützer zum Unterstützten wird.

Diese Ängste sollen in den Letzte Hilfe-Kursen genommen werden.

In vier Kurseinheiten geht es um die Bedürfnisse Sterbender, um Möglichkeiten der Linderung, um Kommunikation und um das Abschiednehmen. So lernen die Teilnehmer*innen, wie wir alle Menschen am Lebensende beistehen können – mit Herz, Haltung und Handeln.
Niemand muss Arzt oder Pflegekraft sein, um einem geliebten Menschen beizustehen. Oft reicht es, da zu sein. Die Hand zu halten. Stille auszuhalten. Oder zu wissen, dass Mundpflege oder eine sanfte Handmassage Erleichterung bringen können. Die Kurse vermitteln solche kleinen, aber bedeutsamen Gesten – und nehmen die Angst, etwas falsch zu machen.
Auch um den offenen Austausch geht es, um die Frage, wie man eine ehrliche, offene Einladung formuliert und damit dem Gegenüber die Erlaubnis gibt, über den Tod und das Sterben zu sprechen.
Dabei geht es nicht darum, Fachkräfte zu ersetzen, sondern darum, Angehörige und Nahestehende zu stärken – durch Wissen, durch Enttabuisierung, durch Zuhören.
Als Hospizteam sehen wir täglich, wie wertvoll zugewandte Begleitung am Lebensende ist – für die Sterbenden, aber auch für die Angehörigen. Die Letzte Hilfe-Kurse sind ein niederschwelliger, wertvoller Beitrag, dieses Wissen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Sie ermutigen, das Thema nicht auszusparen, sondern ihm mit Offenheit, Mitgefühl und Menschlichkeit zu begegnen.

„Sterben ist Leben – nur anders“. So oder ähnlich beschreiben viele Menschen die Erfahrungen, nachdem sie einen Letzte Hilfe-Kurs besucht haben.
In einer Gesellschaft, die Alter und Tod gern aus dem Alltag verbannt, wirken diese Kurse wie ein ein behutsames Gegenmittel.
Sie laden dazu ein, dass Sterben wieder als Teil des Lebens zu begreifen, mitten unter uns, nicht irgendwo am Rand.

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