Schauspielerlesung mit Matthias Bundschuh: Ein Abend voller Sprachkraft und zeitloser Themen.
Zu einer besonderen Schauspielerlesung war Matthias Bundschuh am 23. Februar im Hospiz am Israelitischen Krankenhaus zu Gast und nahm sein Publikum mit auf eine eindrucksvolle literarische Reise. Rund 30 Gäste und Besucher*innen hatten sich in unserem Herzsaal versammelt, um bei Wein, Käse und Laugengebäck die Lesung zu genießen. Es ist bereits unsere fünfte Schauspielerlesung und einige der Zuhörer*innen waren nicht das erste Mal dabei.
Auf dem Programm stand zunächst das Buch „Die sehr schönen Stunden der Jungfer Symforosa, dem Beginchen" von Felix Timmermans – ein Werk, das sich wohl viele Zuhörerinnen und Zuhörer selbst nicht ohne Weiteres ausgewählt hätten und dessen Wirkung sich in der stillen Lektüre nur schwer erahnen lässt. Doch Bundschuh gelang es mit großer Bravour, die Sprache lebendig werden zu lassen und die zeitlosen Themen des Textes – Liebe, die Sehnsucht nach Nähe und die Erkenntnis, dass das Glück des anderen auch das eigene Glück sein kann – eindrucksvoll herauszuarbeiten. Die unmittelbare Nähe zwischen dem Lesenden und den Zuhörenden schuf eine dichte, konzentrierte und oftmals heitere Stimmung, die bis zum Schluss anhielt.
Wie Matthias Bundschuh in einem Gespräch in der Pause sagte, sei es die Aufgabe des Schauspielers, Texte lebendig und begreifbar zu machen, gerade jene, die nicht mehr zur zeitgenössischen Literatur gehören, wie der Text des flämischen Autors Timmermanns, der 1924 erstmals im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wurde. Dieser Anspruch wurde an diesem Abend auf überzeugende Weise eingelöst.
Nach einer weiteren Pause folgte mit „Die Geschichte der Geschichten" von Christoph Meckel ein weiterer literarischer Höhepunkt. Wortgewaltig entfaltete sich eine in Sprache gefasste Fantasie, wie Bundschuh selbst die Geschichte beschreibt, die – ganz im Sinne des Vorlesenden – ihre Kraft erst im gesprochenen Wort voll zur Geltung brachte.
Matthias Bundschuh zog die anwesenden Gäste vom ersten bis zum letzten Moment in seinen Bann. Der anhaltende Applaus am Ende des Abends sprach für sich.
Neben seiner eindrucksvollen Bühnenpräsenz überzeugte Bundschuh auch durch seine große Sympathie und seinen feinen Humor, die den Abend zu einem rundum gelungenen Erlebnis machten.
Großer Dank gebührt auch Sandra Rudorff und ihrer Künstleragentur, die die Lesungen bei uns ermöglicht. sowie Michael Schmitt von Mosel Wein, der wieder ausdrucksstarke Tropfen anbot. Und Danke an alle weiteren helfenden Hände!
Danke, lieber Matthias Bundschuh!
Vita: Matthias Bundschuh wurde 1966 in Gütersloh geboren und studierte Schauspiel in London, Wien und Berlin, wo er einen Abschluss mit Auszeichnung erhielt. Seine Engagements führten ihn an viele bedeutende deutsche Bühnen wie das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, die Münchner Kammerspiele und das Deutsche Theater Berlin. Im Sommer 2016 war Bundschuh Gast bei den Salzburger Festspielen Neben der Theaterarbeit steht Matthias Bundschuh regelmäßig für Film und Fernsehen vor der Kamera. Der Fernsehzweiteiler „Sturm kommt auf“ nach dem Roman „Unruhe an einen Friedfertigen“ von Oscar Maria Graf wurde Anfang des Jahres für den Grimme-Preis nominiert. Es ist die zweite Arbeit von Matthias Bundschuh unter der Regie von Matti Geschonneck nach „Die Wannseekonferenz“, die in 2023 u.a. mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Matthias Bundschuh arbeitet außerdem regelmäßig für den Hörfunk.