09.12.2025

Optische Klänge aus Farbe und Licht

Lieber Herr Habedank, Ihre Werke strahlen, sie scheinen direkt ins Herz der Betrachtenden zu leuchten. Was ist für Sie die Essenz Ihrer Kunst?

„Es ist das Zusammenspiel aus Farbe und Licht, das ich besonders anstrebe – und das dann konsequenterweise auch zur Glasmalerei geführt hat. Mich fasziniert, wirklich mit Licht zu arbeiten. Ich habe mich schon immer für den Zusammenklang von Transparenz, Tiefe, lichter Farbigkeit, Scheinräumlichkeit und Überlagerungen interessiert. So habe ich eine spezielle Technik entwickelt, in der ich eingefärbte dünne Vliesstücher mit gemalten Farbschichten kombiniere. So kann ich vielschichtig und transparent arbeiten und bin schon in der Malerei auf Leinwand fast bei Glasmalerei.  Im Bereich meiner Farbmalerei – es gibt auch noch ganz andere künstlerische Themen – schaffe ich innere Bilder, die nichts Konkretes abbilden, die innere Schichten des Betrachtenden anstoßen. Gerne vergleiche ich das mit Musik, die ja auch innere Welten anspricht – ich male ‚optische Klänge‘.“

Wie gestalten Sie die Schaffung eines neuen Werks?

„Der Entstehungsprozess ist ein sehr offener. Ich entwickle ein Kunstwerk wie eine musikalische Komposition. Es entstehen offene Klangbilder. Dabei ziehen sich gewisse stilistische Elemente durch meine Arbeiten – bestimmte Strukturen, oft geordnete Farbblöcke, spielerische Belebungen, die leuchtenden Farben. Das entwickelt sich in einem sehr beweglichen Prozess mit dem Ziel einer anregenden Stimmigkeit.“

Welchen Impuls würden Sie Menschen gerne mitgeben, für die Annäherung an Ihre Kunst?

„Es ist sehr individuell, wie Menschen sich Kunst nähern. Ich empfehle das Lauschen nach Innen. Eine Möglichkeit wäre es, sich vor ein Bild zu stellen und hineinzuhorchen: Wie klingt das Bild für mich? Welchen Klang stelle ich mir dazu vor? Die abstrakte Farbmalerei hat immer etwas mit inneren Blicken zu tun, sie hat per se etwas Spirituelles.“

Vielleicht gestalten Sie auch deshalb oft Andachtsräume, Kirchen, Hospize, sensible Räume?
„Ja, wenn ich solche Räume gestalte, dann können Farbe und Licht besonders stark wirken, können in den Betrachtenden klingen. Es geht hier weniger darum, dass der Künstler sich selbst verwirklicht. Ich beschäftige mich mit den Menschen, die sich in diesen Räumen aufhalten, warum sie dort sind, was sie brauchen, was sie stärken könnte. Hier wirkt Kunst für den Menschen und ist nicht ‚L'art pour l'art‘ – sensible Räume brauchen besondere Gestaltungen.

Für unser Hospiz haben sie eine Gedenkstele und die Eingangstüren gestaltet. Nach dem Umbau kann man diese nunmehr im Aufgang sehen. Jetzt kann Ihre Kunst mit nach Hause genommen werden. Sie gestalten zur Unterstützung unserer Arbeit als „Wertpapiere“ bezeichnete Kunstwerke. Die Hälfte der Einnahmen spenden Sie. Wie kam es zu der Idee?

„Ja, statt in reale Wertpapiere, können Menschen nun sozusagen in Wertleinwände investieren. Meine spezielle Technik mit den Tüchern öffnete mir die Tür, auch einmal ‚mit lockerer Hand‘ kleine Formate zu entwickeln, in denen auch die Vielschichtigkeit und Transparenz auf Leinwand sichtbar ist, gleichzeitig aber eine Art kleiner Gruß zu den großen Arbeiten entsteht. Einen ganzen Schwung klarer Farben habe ich als Wertpapiere, als Wertleinwände für das Hospiz erarbeitet und möchte damit die Lebendigkeit des Ortes und der Arbeit im Haus betonen. Mit dem Kauf können Menschen die besonderen Werte, die das Hospiz verkörpert, unterstützen und gleichzeitig einen kleinen Lichtblick nach Hause nehmen.

Lieber Herr Habedank, herzlichen Dank für unser Gespräch und für Ihre Unterstützung unserer Arbeit!

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