Letzte-Hilfe-Kurse: kleine Hilfe, große Wirkung
„Es war eine sehr gute Entscheidung, dass ich diese Veranstaltung besucht habe“, sagt Thomas R. „Ich habe in den vier Stunden vieles erfahren, was mich wirklich nachdenklich gestimmt und nachdrücklich beeindruckt hat.“
Seit er im Oktober 2025 zum Letzte-Hilfe-Kurs bei uns war, hat Thomas uns schon ein paarmal besucht, worüber wir uns immer sehr freuen.
„Das Thema ‚Essen und Trinken am Lebensende‘ hat mich besonders beschäftigt. Der Satz ‚Menschen sterben nicht, weil sie nicht essen, sondern sie essen nicht, weil sie sterben‘ hat mich lange bewegt.“ Das können wir gut nachvollziehen. Der Wunsch, dass unsere Lieben essen und trinken, um sich zu stärken und zu gesunden, ist zutiefst menschlich. Seinen Ursprung hat er im ersten Stillen oder dem Milchfläschchen im Säuglingsalter. Essen bedeutet Leben, Geselligkeit und Fürsorge. Für An- und Zugehörige ist es eine der schwersten Herausforderungen, auszuhalten, wenn der geliebte Mensch am Ende eines langen Krankheitsweges nicht mehr isst oder trinkt.
„Meine Intention war bei der Anmeldung zum Kurs, mich mit dem Tod und Sterben auseinanderzusetzen. Zum einen, weil das Thema jeden betrifft, zum anderen, weil mein Ehemann und ich durch seine Krebsdiagnose früher als gedacht mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wurden.“ Eine Krebsdiagnose lässt die Welt erst einmal stillstehen. Dann sortiert sich das Leben Schritt für Schritt mit verschiedenen Therapien, Operationen und Medikamentenanpassungen neu. Häufig begleitet die Betroffenen und ihre Lieben dabei gedanklich auch das Thema Sterben. „Ich wollte in irgendeiner Weise vorbereitet sein und meinen Mann bestmöglich unterstützen und ihm zur Seite stehen.“
Besonders die medizinischen Faktoren haben Thomas interessiert. Was passiert im Körper? Wie verändert sich der sterbende Mensch? Wie kann man als Angehöriger hilfreich zur Seite stehen? Und gerade diese Informationen sind es, die Angehörigen Halt und etwas Sicherheit geben können. Die dabei unterstützen können, sich der Situation nicht ganz ausgeliefert zu fühlen, sondern im Rahmen der Möglichkeiten handlungsfähig zu sein.
„Beeindruckt hat mich der Hinweis, dass Menschen im Sterbeprozess sehr berührungsempfindlich sind. Ich habe den Hinweis einer Dozentin mitgenommen, die Hand des Sterbenden auf die eigene Hand zu legen, statt diese festzuhalten oder dauerhaft zu streicheln, sodass jederzeit die Hand weggezogen werden kann, wenn es als unangenehm empfunden wird. Und es gab viele weitere praktische Tipps für die Mundpflege und für Aromadüfte, die bei Massagen und Einreibungen verwendet werden können. Wir haben einiges ausprobiert.“
Neben ganz praktischen Hinweisen wurde auch über die vielen Versorgungsformen und Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen der palliativen Versorgung berichtet. Patientenverfügungen und Vollmachten wurden empfohlen und deren Bedeutung begründet.
In einem weiteren Modul nahm die Kursleiterin ihre Teilnehmer*innen mit in den Themenbereich der Trauer. Ein Trauerprozess beginnt oft bereits mit der Diagnose einer schweren Krankheit. Nichts ist mehr, wie es war und es braucht Menschen, mit denen man sich austauschen kann und die den Weg mitgehen. Es braucht Geduld, das verlässliche und beruhigende „Da-Sein“ und „Da-Bleiben“, die Unterstützung im Alltäglichen. Menschen, die verstehen, wie man sich fühlt. Menschen, durch die man sich getragen fühlt.
Im Rahmen der Letzte-Hilfe-Kurse tauschen sich die Teilnehmer*innen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen kommen, aus, trösten sich gegenseitig und spüren auch durch die Leichtigkeit der Dozent*innen, die von ihren Erfahrungen berichten, dass es sich lohnt, sich dem Thema zu stellen. Die Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod kann die Perspektive auf das Leben verändern.
Thomas sagt: „Ich fühle mich durch das Erleben, die Begegnung und den Austausch etwas sicherer und besser vorbereitet auf das, was kommt. Ich empfehle den Kurs auch in meinem Umfeld weiter, zumal er Schrecken und Berührungsängste durch das Kennenlernen eines Hospizes nehmen kann. Für mich ist das Hospiz ein Ort, an dem gelebt wird.“
Zu diesem Leben, dieser Lebendigkeit bei uns trug im Dezember auch Thomas bei, als er in der Adventszeit mit seinen Musikerkolleg*innen zu einem Konzert für unsere Gäste im Herzsaal einlud. Es waren ganz wunderbare Stunden und wir freuen uns auf eine Wiederholung, die Thomas uns versprochen hat. Auch das geschieht manchmal in den Kursen: Es entstehen Verbindungen, die bleiben. Ein Geschenk für uns alle.
Danke, lieber Thomas, für deine Offenheit, dein Vertrauen und deine Musik