21.05.2025

Kochen für die Seele

Wenn Albert Hollenbach über die Samstage im Hospiz berichtet, kommt er ins Schwärmen. Dabei fing alles „ganz klein“ an: „Vor eineinhalb Jahren ergab eins das andere“, erzählt Albert. „Anfangs war es die Idee einer leckeren Suppe“, berichtet der 58-jährige Wahl-Hamburger, der „von montags bis freitags“ im Marketing und Vertrieb der IT-Firma arbeitet, die er gemeinsam mit einem Freund betreibt. Inzwischen trifft sich die Crew der vielen fleißigen Hände um den ehrenamtlichen Koch jeden Samstag, um unseren Gästen die gemeinsam wunderbar gezauberten Speisefolgen liebevoll zu servieren.

Die Samstage sind für Albert inzwischen eine feste Größe im Wochenplan geworden, auf die er sich sehr freut.

Von der Suppe zum Drei-Gänge-Menü

Aus der anfänglichen Idee einer Suppe wurde ein Drei-Gänge-Menü mit Vor- und Hauptspeise und Dessert. „Vom Kartoffelgulasch über die Rostbratwürstchen mit Sauerkraut bis hin zum italienischen Abend haben wir schon alles Mögliche dabei gehabt“, erzählt Albert und ergänzt: „Der Glücksstädter Hering – das war ein super Essen! Weil es viele eben von früher kannten.“ Woher die Inspirationen für die Menüs kämen? „Von den Gästen selbst. Wir fragen sie nach ihren Wünschen.“
Die Ideen werden ihnen bestimmt nicht ausgehen, nicht zuletzt wegen der „Lieblingsrezepte“-Sammlung, die Albert kürzlich von einer Dame, die bei uns Gast war, geschenkt bekommen hatte.

Zu den Gästen, die nicht im Herzsaal essen möchten oder können, geht Albert persönlich von Zimmer zu Zimmer und bringt das Essen.

Inzwischen sind es einige Helferinnen und Helfer, die mitwirken und -wirbeln an den Samstagen, an denen es darum geht, unseren Gästen wohlschmeckende Gerichte zu zaubern. „Für manche Gäste ist das auch ein Höhepunkt in der Woche“, erzählt Albert.

So wie neulich, als es gekochten Kräuterfisch an heller Sauce gab, das Lieblingsessen von Imke Wiesenbergs Vater, das er sich gewünscht hatte.
„Als wir Albert fragten, ob das möglich sei, den Fisch in der Hospizküche zu kochen, sagte er sofort seine Unterstützung zu“, erzählt Imke. „Überhaupt haben Alberts Sensibilität, seine Hilfsbereitschaft und Freude und seine liebevolle Art einen maßgeblichen Anteil daran, dass alle diesen Abend genießen können“, sagt Imke. Als sie mit ihren Eltern und den Freunden der Eltern, mit denen diese früher regelmäßig essen gegangen waren, am Tisch saß, habe sie vergessen, wo sie sei. „Es war einfach eine schöne Stimmung. Und meinem Vater hat es sichtlich geschmeckt.“ Als Dessert gab es übrigens gelbe Apfel-Birnen- und rote Beeren-Grütze mit Vanillesauce, die Imke zubereitet hatte.

Manches Mal erleben die Kochaktion-Helfenden etwas Besonderes, nicht Vorhersehbares, Berührendes. So war Kirsten Olff ursprünglich als Zugehörige zu uns gekommen. Ihr Freund, der schwer erkrankt als Gast bei uns war, hatte die vorangegangenen fünf Monate im Krankenhaus nur noch flüssige Astronautenkost zu sich genommen. „Durch Alberts Einsatz fing er wieder an zu essen, erst samstags, dann auch wochentags“, erzählt Kirsten. Nachdem er zunächst nur alleine in seinem Zimmer essen wollte, kam er später sogar in den Herzsaal dazu. „Das Beisammensein haben wir dann sehr genossen.“ Seitdem hilft Kirsten dabei, den Tisch zu decken oder rührt im Topf, damit nichts anbrennt.

Gutes entwickelt Eigendynamik

Es scheint ein naturgegebenes Gesetz zu sein, dass Gutes, das Freude bereitet, eine Eigendynamik entwickelt. „Es ist eine Teamsache geworden“, betont Albert. „Uns geht es darum, dass die Gäste eine gute Zeit in der Gemeinschaft haben.“ So entwickeln sich dann die Unterhaltungen, erzählt er, „über das Essen kommt man leichter ins Gespräch“, und fügt hinzu: „Das erfüllt mein Herz!“

Die samstägliche Kochaktion ist inzwischen mehr als nur ein wenig Abwechslung mit Sinn: „Es ist eine tolle Atmosphäre hier. Und es ist so schön mitzuerleben, wie die Gäste auch untereinander ins Gespräch kommen.“ Denn die meisten kennen sich nicht, daher sind die gemeinsamen Aktionen im Herzsaal besonders wichtig. Überhaupt sei die Kommunikation an diesem Tag etwas Wesentliches, sind sich die fleißigen Hände der Koch-Aktion einig: „Beeindruckend ist, dass im Beisammensein der Gäste meist wenig oder nur beiläufig über Krankheit gesprochen wird.“

An manchen Samstagen waren es schon bis zu zwanzig Menschen im Herzsaal, die wie eine große Familie zusammen am Tisch sitzen: unsere Gäste, ihre Familien und Freunde, die fleißigen Helferinnen und Helfer, und auch die hauptamtlich Pflegenden gesellen sich dazu.
Albert bringt auf den Punkt, was wohl alle denken und fühlen: „Jeder dieser Samstage ist auch ein Geschenk.“
Was ihn antreibe: „Einfach was tun“, sagt er. Im Sinne des christlichen Glaubens etwas zurückgeben wolle er von dem Glück, das er selbst gehabt habe. Als er vor drei Jahren erkrankt war, war alles gut ausgegangen. Daraufhin hatte er die Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung gemacht. „Es geht um die Sache, die da passiert“, fügt Albert hinzu. Darum, ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern. „Wenn jemand sagt: ‚Das war so lecker’, dann haben wir das geschafft, was wir uns gewünscht haben.“

Von der Idee zum gemeinsamen Genuss...

Bis am Samstag um 18 Uhr am schön gedeckten Tisch gegessen werden kann, muss natürlich geplant, eingekauft und vorbereitet werden. Einiges wird zuhause bereits zubereitet und dann mitgebracht, anderes wird vor Ort gekocht. „Manchmal sieht es in der Küche ganz schön chaotisch aus“, lacht Albert. Ein schönes, buntes Chaos, das zu den kreativen Menüs passt, finden wir.
Und nach dem Menü ist vor dem Menü: Nach dem Essen fragt Albert nach Wünschen für den nächsten Samstag.
Auch den Lieblingsfisch von Imkes Vater wird es wohl noch einmal geben: „Albert hat meiner Mutter bei der Zubereitung aufmerksam zugesehen“, erzählt Imke.

Die Organisation im Vorfeld jedes Samstags „läuft wie von selbst“, fasst er – wieder einmal recht bescheiden – zusammen, „denn schließlich sind wir ein gutes Superteam!“

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