Johannas Geschichte
Johanna Vaga gehört seit vier Jahren zu unserem Team. Sie ist 41 Jahre alt und ist in Ecuador geboren. 1998 kam sie nach Deutschland. Aufgewachsen ist Johanna mit vier Schwestern, von denen zwei noch in Ecuador leben. Ihre eine Schwester ist ebenfalls Krankenschwester geworden. Johanna wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Hamburg. Es ist schön, dass sie ihre Geschichte mit uns teilt.
„Vor sechs Jahren habe ich meine Ausbildung als Pflegefachkraft im Pflegeheim abgeschlossen. Ein Jahr später entschied ich mich, eine Weiterbildung zur Praxisanleiterin zu beginnen. Meine Motivation war klar: Ich wollte etwas von dem zurückgeben, was andere Menschen mir auf meinem Weg gegeben hatten. Ich wollte begleiten, unterstützen und Wissen weitergeben.
Doch dann kam die Pandemie – und sie veränderte alles. Diese Zeit war eine der größten Herausforderungen meines Lebens. Sie hat mich an meine Grenzen gebracht und gleichzeitig stärker gemacht. Ich musste Verantwortung übernehmen, schwierige Entscheidungen treffen und Situationen bewältigen, die ich mir zuvor niemals hätte vorstellen können. Angst, Mitgefühl, körperliche Erschöpfung und seelische Belastung wurden zu täglichen Begleitern.
Die Pandemie ging vorbei, aber sie hinterließ Spuren. Der Personalmangel, die Überlastung und die Unsicherheit über die Zukunft nahmen mir zunehmend die Freude an meinem Beruf. Ich fragte mich immer öfter, wie es weitergehen sollte. Ich sah keine Perspektive mehr und hatte das Gefühl, mich selbst zu verlieren.
Ich fasste den mutigen Entschluss, meine Stelle zu kündigen und einen neuen Weg einzuschlagen. Ich bewarb mich beim Israelitischen Krankenhaus und informierte mich über die Arbeit im Hospiz. Es war eine Entscheidung, die mein Leben verändert hat.
Heute arbeite ich seit fast vier Jahren mit großer Freude in diesem Bereich. Ich habe unglaublich viel gelernt – fachlich, aber vor allem menschlich. Jeden Tag begegne ich Menschen in einer der sensibelsten Phasen ihres Lebens. Ich darf zuhören, begleiten, Trost schenken und da sein. Diese Arbeit hat mir gezeigt, wie wertvoll Mitgefühl, Zeit und echte Menschlichkeit sind.
Oft werde ich gefragt, woher ich meine Kraft nehme. Die Antwort ist einfach: aus Gott und meiner Familie. Mein Mann und meine Kinder (15 und 13 Jahre alt) sind meine größte Unterstützung und meine wichtigste Quelle für Energie und Motivation. Sie erinnern mich jeden Tag daran, warum es sich lohnt, weiterzugehen.
In unserer Freizeit verbringen wir gerne Zeit in der Natur, am Meer, auf Reisen oder mit einfachen gemeinsamen Momenten. Wir lieben den Sand, die Sonne und das Gefühl von Freiheit. Seit mehr als 20 Jahren leben wir in dieser Stadt, und sie ist für uns zu einem Zuhause geworden.
Wenn ich auf meinen Weg zurückblicke, erkenne ich, dass jede schwierige Erfahrung einen Sinn hatte. Die Pandemie hat mich nicht gebrochen – sie hat mich verändert. Sie hat mir gezeigt, dass selbst in den dunkelsten Zeiten ein Neuanfang möglich ist.
Ich möchte mit meiner Geschichte allen Menschen Mut machen, die sich gerade in einer Krise befinden. Manchmal führt uns das Leben durch Schmerz, Zweifel und Unsicherheit, damit wir den Weg finden, der wirklich zu uns passt.