01.06.2026

Der Weg zu uns: Ankommen, zur Ruhe kommen, begleitet sein

Wir berichten viel über das Leben im Hospiz: über unsere Gäste, die Menschen, die bei uns arbeiten und jene, welche uns persönlich oder finanziell unterstützen. Wir erzählen von Veranstaltungen und anderen Neuigkeiten. Sommerfest, Frühlingsfest, Lesungen: Das alles ist etwas Besonderes, und es lohnt sich, davon zu erzählen. Aber wie ist eigentlich der Alltag bei uns?

Kann man den eigentlich so nennen? Ohne Frage, bei uns ist kein Tag wie der andere. Dennoch gibt es Themen, die sich wiederholen. Und es sind gerade diese Themen, die viele interessieren. Wie funktioniert dieses oder jenes und was wird da eigentlich so gemacht?

In diesem Bericht möchten wir erklären, wie der Weg zu uns führt. Wer darf eigentlich im Hospiz aufgenommen werden und wie ist das Vorgehen?

Aber erst einmal der Reihe nach.

In Deutschland gibt es aktuell etwa 270 stationäre Hospize für Erwachsene. Diese sind kleine pflegegeführte Einrichtungen mit maximal 16 Plätzen. Aufgenommen werden Menschen mit einer fortschreitenden und lebensverkürzenden Erkrankung mit einer noch erwarteten Lebenszeit von Tagen, Wochen oder wenigen Monaten. Zudem liegt ein umfassender Versorgungsbedarf in Form von einer ausgeprägten sogenannten Symptomlast, Wunden oder anderem vor, sodass eine ambulante Versorgung zu Hause oder im Pflegeheim nicht mehr möglich ist. Es ist Voraussetzung, dass die betroffene Person über ihre Situation aufgeklärt und mit einer Aufnahme im Hospiz einverstanden ist. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, muss der behandelnde Arzt oder die Ärztin (Hausarzt, Facharzt, Krankenhausarzt) einen Antrag auf Hospizpflegebedürftigkeit bei der Krankenkasse stellen. Dann kann eine Anmeldung im Hospiz erfolgen. In den stationären Hospizen gibt es in aller Regel eine Warteliste. Ist ein Hospizplatz frei, wird dieser umgehend neu vergeben.

Gäste, welche im Hospiz aufgenommen werden, haben zumeist bereits während ihrer Krankheitsgeschichte viel erlebt. Häufig liegen viele Krankenhausaufenthalte und Arztbesuche hinter ihnen, begleitet von belastenden Untersuchungen und Therapien. Dazu kommen ausgeprägte Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Luftnot. Einige Menschen haben Wunden oder Drainagen, was zum einen behindert, zum anderen auch ein verändertes Körperbild zur Folge hat. Begleitet wird dies alles zumeist von Ängsten vor dem, was noch kommt, Sorgen um die eigene Familie und einer tiefen Traurigkeit.

Das Hospiz soll unterstützen und ein Ort der Erholung und Entspannung sein. Unser Ziel ist es, die Lebensqualität so hoch wie möglich zu halten und neben den Gästen auch die Familien und Freunde zu begleiten und zu unterstützen.

Der Aufnahmetag ist meist recht emotional – ist doch der Schritt ins Hospiz der letzte größere und vermittelt nicht selten ein Gefühl der Endgültigkeit. Hinzu kommt, dass in der Gesellschaft vielfach noch beim Gedanken ans Hospiz an einen dunklen und traurigen Ort gedacht wird. Wir möchten gleich bei der Begrüßung diese Sorge schon etwas nehmen. Unsere Räume sind hell und freundlich. Eine Pflegekraft nimmt den neuen Gast und gegebenenfalls seine Begleitung in Empfang und bringt sie in das Zimmer. Dieses darf nach den eigenen Wünschen dekoriert werden, auch ein kleines Möbelstück darf gerne mitgebracht werden.

Nach dem ersten Ankommen ist zumeist erst einmal eine Pause notwendig: ein Umzug ins Hospiz kostet eine unglaubliche Kraft – körperlich, aber auch ganz besonders emotional.

So werden unsere neuen Gäste und ihre Begleitung erst einmal mit einem Getränk versorgt und wir ermöglichen ihnen etwas Ruhe. Währenddessen läuft unsere Arbeit auf Hochtouren: Informationen werden zusammengetragen, der Gast bei den Kooperationspartnern (Arztpraxen, Apotheke, therapeutische Praxen, Hilfsmittelanbieter) angemeldet und gegebenenfalls werden auch schon Medikamente oder Verbandsstoffe bestellt.

Danach erfolgt ein Aufnahme- und Informationsgespräch – je nach aktuellem Zustand – mit dem Gast selbst oder aber mit den Angehörigen. Hierbei geben wir wichtige Informationen zu den Abläufen und Zuständigkeiten bei uns. Außerdem erfragen wir wichtige Bedürfnisse, Angewohnheiten und Besonderheiten, welche zu beachten sind. Diese Informationen sind für uns sehr wichtig, denn die Lebensqualität kann nur hochgehalten werden, wenn die Individualität von uns berücksichtigt wird. So helfen uns zum Beispiel Hinweise darüber, ob jemand geruchsempfindlich ist, Langschläfer ist oder nur entspannen kann, wenn die Lieblingsmusik im Hintergrund läuft.

Es braucht meist einige Tage, bis wir unsere neuen Gäste und ihre Bedürfnisse einschätzen können und sie Vertrauen zu uns aufbauen. Wichtig sind ein offener Umgang und eine gute Kommunikation miteinander. Auch die Familien und Freunde benötigen die Sicherheit, ihre Lieben bei uns gut aufgehoben zu wissen.

Wir erleben immer wieder, dass unsere Hospizgäste in den ersten Tagen zur Ruhe kommen und wieder sie selbst sein können. Der Fokus liegt nicht mehr auf der Krankheit, sondern auf kleinen alltäglichen Glücksmomenten: den Alsterdampfer auf dem Kanal beobachten, Besuche der Enkelkinder, Eis essen, spazieren gehen oder unserer Küchenfee bei der Arbeit zusehen.

Wir beobachten immer wieder, dass es diese Kleinigkeiten sind, welche das Leben kostbar machen.

Im Hospiz geht es nicht nur ums Sterben, es geht vielmehr ums Leben und das, was es so schön macht.

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