26.05.2025

„Alles, was lebt, muss auch irgendwann sterben“

Ein Plädoyer für mehr Zugewandtheit für das Thema Sterben in der Mitte unserer Gesellschaft – Teil 1

„Alles, was lebt, muss auch irgendwann sterben“, sagt Georg Bollig, der die Letzte Hilfe-Kurse, an denen bisher mehr als 60.000 interessierte Bürger und Bürgerinnen teilgenommen haben, vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen hat.

So sehr wir in unserer Gesellschaft auch versuchen, dem Tod auszuweichen oder ihn zumindest soweit wie irgend möglich zu ignorieren, so ist doch alles Leben endlich, niemand ist ausgenommen.
Wir scheinen es viel angenehmer zu finden, über andere Gemeinsamkeiten als unsere Sterblichkeit zu sprechen: Hobbies, Reisen, Pläne, gutes Essen oder das Wetter. Über den Tod unterhalten wir uns mit den Menschen, die uns nahe stehen, nicht so gerne.

Früher oder später kommt jedoch jeder Mensch mit dem Thema Sterben in Verbindung. Häufig ist es dann die eigene Hilflosigkeit im Umgang mit dem Thema Tod und dem sterbenden Menschen, die uns sprachlos macht.

Es ist kein Freudenthema, und doch kann uns das Nachdenken über unsere Endlichkeit auch das Leben intensiver erleben und schätzen und das Sterben weniger fürchten lassen.
Gespräche über Leben und Sterben brauchen einen Raum und den geben die Letzte Hilfe-Kurse.
Wir als Kursleiter erleben immer wieder, wie Teilnehmer, die am Anfang des Kurses sagen: „Ich habe ein wenig Angst vor dem Thema, Angst, was vielleicht an Emotionen hochkommt“ am Ende mit Erleichterung feststellen, dass viele Ängste sich aufgelöst haben, weil man sie reflektieren konnte. Weil man nicht alleine mit diesen Ängsten ist und vor allem, weil man Worte für vieles gefunden hat, was im Alltag keinen Platz hat und doch immer mitschwingt.

Die meisten Menschen möchten zuhause sterben, umsorgt von vertrauten Menschen. Durch die zunehmend älter werdende Gesellschaft und eine höhere Lebenserwartung bei gleichzeitig immer komplexeren Erkrankungen wird es immer mehr Menschen geben, die alt, schwerkrank und sterbend sind. Für An- und Zugehörige oft eine sehr große Belastung, gerade weil das Wissen und die Worte fehlen, was hilflos macht und überfordert.

„Sterben ist ein sozialer Prozess“, sagt Miriam Püschel, es betrifft nicht nur den Sterbenden, sondern alle um ihn herum.
Daher macht es Sinn, über Sterben und Tod nachzudenken und zu sprechen. Um nicht alleine zu sterben und die Sterbenden nicht alleine zu lassen. Wir alle sind Teil einer Gemeinschaft und müssen uns als eine sorgende, mitfühlende Gemeinschaft verstehen, die Verantwortung füreinander übernimmt. Die Letzte Hilfe-Kurse können dazu beitragen, Bürgerinnen und Bürger in die Umsorgung schwerkranker und sterbender Menschen einzubeziehen und ihre Hilflosigkeit bei der Begleitung Sterbender zu verhindern.
Es wäre schön, irgendwann sagen zu können: „Jeder, der stirbt, wird bis zum Ende in Gemeinschaft leben.“

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