03. März 2021

Nähe herstellen – auch aus der Distanz

Die von uns allen lang ersehnte Neueröffnung unseres Hauses liegt nun rund fünf Monate zurück. Eine auf vielerlei Ebenen bewegende, besondere Zeit, die bis heute unmittelbar von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflusst ist. Hospizleitung Bettina Orlando erzählt, wie Gäste und Team die vergangenen Wochen erlebten.

Liebe Frau Orlando, vor ziemlich genau 190 Tagen wurde das Hospiz nach eineinhalbjähriger Umbauzeit wiedereröffnet. Wie fühlt es sich an, wenn sich Zimmer und Flure nach und nach mit Leben füllen?


Bettina Orlando: Die letzten Wochen waren wahnsinnig spannend und natürlich mit sehr viel Freude verbunden. Schon der Einzug unseres ersten Gastes zeigte deutlich, was uns zuvor so schmerzlich fehlte: die Menschen! Inzwischen verteilen sich 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Früh-, Spät- und Nachtdienst und unsere insgesamt 14 Gästezimmer werden nach und nach bezogen.

Im Rückblick – was ist notwendig, damit ein Neustart wie dieser gelingt?

Wichtig sind in erster Linie Flexibilität und Geduld – mit den Umständen, den Mitarbeitern, aber auch sich selbst. Vieles was sich in der Vergangenheit bewährt hat, können wir übernehmen, beschreiten nun aber auch einen neuen Pfad, auf dem viele Möglichkeiten liegen. Dies ist eine einmalige Chance, denn diese Freiheit lässt uns Raum für Neues, für Kreativität und individuelle Entfaltung. Wir sind noch immer im Prozess der Neu(er)findung. Hier und da wird noch gewerkelt und auch das Team, das in den kommenden Wochen sogar noch weiter wächst, muss sich erst finden.

Was macht Ihnen im Alltag Mut, was gibt Ihnen das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein?

Das Beruhigende ist: Selbst, wenn wir als Team oft das Gefühl haben, dass an vielen Ecken und Enden noch geschraubt wird, so haben wir immer unsere Gäste und deren Bedürfnisse im Blick. Die Haltung der Mitarbeiter, die stimmt. Die durchweg positiven Rückmeldungen von Gästen und Angehörigen erfüllen uns mit einer tiefen Dankbarkeit und zeigen uns, dass wir in die richtige Richtung gehen.

Worauf freuen Sie sich im Hinblick auf die kommenden Wochen und Monate besonders?

Das, worauf sich wohl derzeit alle freuen: ein Zurück zur Normalität. Coronabedingt fahren wir seit der Eröffnung mit angezogener Handbremse. Wir mussten auf zahlreiche Feste und Veranstaltungen verzichten, es gab kein gemeinsames Kochen oder Konzerte. Zudem sind die Besucherzahlen begrenzt und wir vermissen alle die körperliche Nähe, Umarmungen und ein aufmunterndes Lächeln – ohne Maske.

Zugleich beobachte ich, dass die Menschen wieder mehr miteinander sprechen. Beziehungen über das Gespräch herzustellen, das aufmerksame Zuhören, Anteilnahme und Zuspruch bekommen wieder mehr Bedeutung. Aus der Distanz echte Nähe herzustellen dauert zwar oft ein kleines bisschen länger, geht aber auch viel, viel tiefer und lässt uns auch weiterhin mit Zuversicht in die Zukunft blicken.

Zurück