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    „Hospize sind die schönste Bürgerbewegung, die wir haben“

    15.10.2015  Hamburg

    Franz Müntefering debattierte am Hospiz am Israelitischen Krankenhaus über die letzte Lebensphase

    Der Ex-Vizekanzler spricht ĂĽber sein Herzensthema Der Ex-Vizekanzler spricht ĂĽber sein Herzensthema Quelle: Christina Clasen

    Im Rahmen der Hamburger Hospizwoche lud das Hospiz am Israelitischen Krankenhaus am 14. Oktober zu einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion mit Franz Müntefering (75) ein. Der Ex-Vizekanzler sprach sich engagiert für den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung und nachdrücklich gegen aktive Sterbehilfe aus, deren gesetzliche Neuregelung im Bundestag aktuell intensiv diskutiert wird.

    „Ich bin dafür, dass wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur aktiven Sterbehilfe so belassen, wie sie sind“, sagt er. Immerhin gehe es um die ärztlich assistierte Beihilfe zur Selbsttötung und darüber seien sich nur wenige Menschen im Klaren. Franz Müntefering, der sich aus der Politik zurückzog, um seine damals an Krebs erkrankte Frau Ankepetra bis zum Schluss zu begleiten, betonte den Wert von Palliativmedizin und Hospizen: „Sie sind die schönste und größte Bürgerbewegung, die wir haben.“

    Der Rechtsanspruch, die letzte Lebensphase in einem Hospiz zu verbringen, erreicht jedoch nur einen Bruchteil der Menschen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) ergibt sich für die Bundesrepublik mit ihren derzeit 206 stationären Hospizen ein Mittelwert von rund 27 Betten pro einer Million Einwohner. Die DGP empfiehlt jedoch fast die doppelte Anzahl an Betten. „Den Mehrbedarf verdeutlicht im Hospiz am Israelitischen Krankenhaus die Warteliste“, erläuterte Geschäftsführer Marcus Jahn. „Wöchentlich sind bei uns 30 bis 40 Betroffene verzeichnet, denen wir keinen Platz mehr bieten können.“

    Auch die Palliativexpertin Dr. Maja Falckenberg, die Seelsorgerin Ingrid Schumacher und die Vertreterin des Ehrenamtes Elke Lütgenau-Hawae berichteten in der von ZEIT-Herausgeber Josef Joffe moderierten Diskussion, wie bedeutsam die umfassende Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase und ihren Angehörigen in Hospizen ist. Besonders am Herzen liegt ihnen eine individuelle Ausrichtung der medizinischen, pflegerischen und seelsorglichen Betreuung. Josef Joffe schloss den Abend unter langem Applaus der 170 Zuhörer mit dem eindringlichen Appell, die Arbeit im Hospiz durch Spenden zu unterstützen.

     
     
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